Museumsrallye - Hugenotten- und Waldenserorte

1. Bad Karlshafen Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Bad Karlshafen

Landgraf Carl von Hessen-Kassel gründete 1699 zur Aufnahme von französischen Glaubensflüchtlingen die Manufaktur- und Handelsstadt Sieburg. 1717 wurde sie zu Ehren des Fürsten in Karlshafen umbenannt.

Ca. 180 französische Réfugiés kamen zunächst im benachbarten Helmarshausen unter. Die meisten stammten aus der Dauphiné und dem Languedoc. Unter ihnen befanden sich Manufakturisten und Kaufleute, aber auch Handwerker und Bauern.

Mit der Siedlungsgründung verband der Landgraf große Hoffnungen. Es sollten Textilfabriken und ein Hafen für den Fernhandel entstehen. Die Weser diente dabei als Verbindung zum Meer. Für einen zollfreien Warenverkehr plante der Landgraf einen Kanal zwischen Karlshafen und Kassel. Weitreichende Privilegien sollten die wirtschaftliche Entwicklung beschleunigen.

Der Erfolg blieb aus, denn es fehlte an Geld und an den technischen Voraussetzungen für den Kanalbau. Die von dem französischen Architekten Paul du Ry geplante Stadtanlage wurde nicht vollendet.

Erst durch den hugenottischen Wundarzt und Apotheker François Galland bekam die Stadt eine Zukunft. Er entdeckte die Bedeutung der Solequellen für die Salzgewinnung und legte damit den Grundstein für das heutige Bad Karlshafen als Kurstadt.

2. Gewissenruh Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Gewissenruh

Waldenserdorf an der Weser. Von Landgraf Carl von Hessen-Kassel 1722 für 12 Flüchtlingsfamilien gegründet. Die kleine Feldsteinkirche wurde 1779 erbaut mit der französischen Inschrift über dem Eingangsportal: "CERTES LETERNEL EST EN CE LIEU ET JE N'AN SAVOIE RIEN" (Gewiss ist der Ewige an diesem Ort, und ich wusste es nicht. 1. Mose 28, 16)

Schlüssel zur Kirche im Haus gegenüber.

3. Gottstreu Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Gottstreu

Zusammen mit Gewissenruh 1722 als Straßendorf für 12 Waldenserfamilien gegründet, die dort angesiedelt wurden. Landgraf Carl von Hessen-Kassel soll den beziehungsreichen Ortsnamen selbst ausgewählt haben.

Die Waldenserkirche in der Dorfmitte wurde im Todesjahr des Fürsten 1730 erbaut. Gottstreu war umgeben von Glashütten, die vom Holzreichtum des nahen Reinhardswaldes profitierten. Gegenüber der Kirche lag die Schule, in der sich heute ein Waldensermuseum befindet, das besichtigt werden kann.

Öffnungszeiten des Museums: Mai bis September sonntags 15 - 17 Uhr

4. Mariendorf am Reinhardswald Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Mariendorf

Die Erbauung der zweiten nordhessischen Hugenottenkolonie begann 1687 für vorwiegend waldensische Flüchtlinge, die aus der Dauphiné in Südfrankreich nach Hessen kamen. Der Ort wurde in Kreuzform angelegt. Schule, Backhaus, Kirche und Friedhof symbolisieren in der senkrechten Achse des Kreuzes Lebensstationen des Menschen.

Die von 1701 bis 1705 erbaute Kirche mit Mansarddach und Dachreiter huldigt mit einer Inschrift über dem Eingang die Stifterin Maria Amelia, die Ehefrau des hessischen Landgrafen Carl, nach der Mariendorf benannt wurde.

Im Inneren der schlichten Saal-Kirche sind außer barocken Ranken um die Fenster Wandinschriften aus Psalm 84 und Matthäus 4 in französischer Sprache erhalten In einer Schauvitrine liegt u.a. ein alter Dachziegel mit dem eingeritzten französischen Vaterunser. In der Dorfmitte trägt ein Balken über einem Scheunentor eine französische Inschrift.

Schlüssel zur Kirche muss in der Nachbarschaft besorgt werden

5. Grebenstein Pfeil links Kartenach oben Top

Die Ackerbürgerstadt Grebenstein beherbergte einige französische Handwerker und Kaufleute. Das Haus des Schuhmachers Jacques Cret in der Hofgeismarer Straße 20 (heute Bäckerei) zeigt auf den Eckbalken Stiefel als Insignien seines ehemaligen Besitzers und ein alttestamentliches Wort aus dem Buch des Predigers Salomon (Kap. 12,13).

Ein französischer Grabstein erinnert an den hugenottischen Kaufmann Jacques Gain (1709-1770), der in Grebenstein Bürgermeister war. Die Grabplatte ist in an der Gedenkmauer der Parkanlage an der Hofgeismarer Straße aufgestellt.

6. Kelze Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Kelze

An der Stelle eines wüst gewordenen mittelalterlichen Dorfes (Ober-)Kelze wurde die gleichnamige Hugenottensiedlung Kelze für Flüchtlinge der zweiten hugenottischen Einwanderungswelle nach Hessen ab 1699 in Kreuzform angelegt. Nahe des Zentrums des Kreuzes befanden sich Schule und Gotteshaus. Die schlichte Fachwerkkirche wurde von dem Waldenserpfarrer David Clément am 4. August 1709 mit einer Predigt über Apostelgeschichte 2,9 eingeweiht.

In dem vom Wald umgebenen abgelegenen Kelze haben sich Volksbräuche aus der französischen Heimat besonders lange erhalten. An jedem ersten Sonntag im Mai ab 14 Uhr wird das Mayencefest gefeiert. Alle Mädchen des Dorfes ziehen von Haus zu Haus und bitten mit einem französischen Liedchen um Gaben. Ein dreijähriges Mädchen wird als "Mayence" für jedes Jahr neu gewählt. Das Fest soll an ein auf der Flucht verloren gegangenes und wiedergefundenes Mädchen erinnern.

Die Erwachsenen erfreuen sich am Kelzer Karneval, der am Aschermittwoch begangen wird. Auch dieses Fest soll auf hugenottische Traditionen zurückgehen.

Schlüssel für die Kirche im Nachbarhaus

7. Hofgeismar Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Hofgeismar-Neustadt

Neben Immenhausen und Grebenstein war die Ackerbürgerstadt Hofgeismar die erste Zufluchtsstätte für die auf Einladung des hessischen Landgrafen Carl im Frühjahr 1686 strömenden Hugenottenflüchtlinge, die man Réfugiés nannte. Sie trafen in Hofgeismar in so genannten Brigaden ein, benannt nach der Herkunft der Flüchtlinge "Elsass", "Valcluson" und "Queyras".

Die nach dem 30-jährigen Krieg nur noch dünn besiedelte Stadt bot den Flüchtlingen zunächst nur Notquartiere, ehe die Siedlungstätigkeit im Umfeld der Stadt begann. In Hofgeismar blieben nur wenige Kaufmannsfamilien. Sie versammelten sich in der Neustädter Kirche zum Gottesdienst, der von dem verdienstvollen Waldenserpfarrer David Clément von 1686 bis zu seinem Tod 1725 gehalten wurde. Er wurde in der Neustädter Kirche hinter dem Altar begraben. An ihn erinnert eine Tafel neben der Kirchentür und ein Bronzedenkmal nahe der Kirche.

Auf dem Hofgeismarer Marktplatz nahe dem Rathaus hat sich ein Bürgerhaus mit französischen, deutschen und lateinischen Inschriften erhalten (Markt 7). Im Rathaus wird ein Balken aus Schöneberg mit französischer Inschrift gezeigt.

Das Hofgeismarer Stadtmuseum hat eine interessante und sehenswerte hugenottische Abteilung. Dort befinden sich u.a. eine der größten Sammlungen hugenottischer Bibeln und Psalmenbücher, hugenottisches Silber und Überreste des Sarges von David Clément.

Öffnungszeiten des Museums: Mo, Di, Do 10-12 Uhr, Mi 15-18 Uhr, Fr 17-19 Uhr, So 11-13 u. 15-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

8. Friedrichsdorf Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Friedrichsdorf

Die 1775 unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel gegründete Hugenottenkolonie bei Hofgeismar ist ein Ableger der Kolonie Kelze, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts übervölkert war. Das neue Dorf gab 10 Siedlern eine Heimstatt. Der Hofgeismarer Zimmermeister Gerecht erbaute 1815 die kleine Fachwerkkirche mit Dachreiter und angebauter Schule.

Der Windfang vor der Eingangstür ist eine nachträgliche Zutat. Er verdeckt den Schriftbalken mit den Worten: UND ICH WILL UNTER EUCH WOHNEN UND WILL EUER GOTT SEIN. IHR SOLLT MEIN VOLK SEIN. ERBAUT ZUR EHRE GOTTES. 10. XI. 1815.

9. Carlsdorf Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Carlsdorf

Die älteste hessische Hugenottenkolonie wurde von Hofgeismar aus gegründet. Von Hofgeismar aus begann für Flüchtlinge eine Siedlungstätigkeit in den Randbezirken der Gemarkung. Die Anlage von Carlsdorf in Kreuzform nach Plänen des hugenottischen Architekten Paul du Ry begann noch im Jahr 1686. Das älteste Haus trägt noch heute die Jahreszahl 1686 und den Namen des Flüchtlings François de Lattre, der dort einzog (Carlsdorf, Oberdorf 9).

Die Carlsdorfer Fachwerkkirche wurde auf den Mauerresten einer mittelalterlichen Georgskapelle von 1702 bis 1704 erbaut und von David Clément eingeweiht. Im Zentrum des Gotteshauses steht die Kanzel mit dem Abendmahlstisch davor und dem Lektorenpult neben der Kanzel für den Vorsänger, der den Psalmengesang der französisch-reformierten Gemeinde ohne Orgelbegleitung anstimmte und leitete. Auf der Kanzel ist noch der Klappstuhl zu sehen, auf dem der Pfarrer während des Gottesdienstes saß.

Besonders eindrucksvoll ist das farbig gestaltete Eingangsportal der Carlsdorfer Kirche mit einer langen französischen Inschrift, die den Landgrafen Carl huldigt, nach dem der vom hugenottischen Architekten du Ry in Kreuzform entworfene Ort benannt wurde. In Kränzen oben rechts und links neben der Eingangstür sehen wir den hessischen Löwen und die Initialen des Landgrafen (CLZH=Carl Landgraf zu Hessen).

Vor der Kirche steht ein alter französischer Grabstein von 1786 für Jean Pierre Bellon mit der Inschrift: LES JOVRS DE MON PELERINAGE SONT COVRTS & MAVAIS (Die Tage meiner Pilgerschaft sind kurz und mühselig. 1. Mose 47,9).

Die Carlsdorfer Kirche ist tagsüber geöffnet

10. Hombressen Pfeil links Kartenach oben Top

Das deutsche Dorf Hombressen nahm 1686 zahlreiche französische Flüchtlinge auf, die sich dort aber nicht sehr wohl fühlten. Es kam zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten. Deshalb zogen einige Hugenottenfamilien nach Strasburg in der Uckermark weiter. Noch heute erinnert ein Haus mit Inschrift an die französische "Invasion" (Waldstr. 6)

11. Schöneberg Pfeil links Kartenach oben Top

Museumsrallye - Kirche in Schöneberg

Die 1699 von Hofgeismar aus gegründete Hugenottenkolonie Schöneberg trägt ihren Namen nach der nahe gelegenen Burg gleichen Namens, die heute auf dem Schöneberg nur noch in Ruinen vorhanden ist. Der Ort liegt an der Straße von Kassel nach Bremen (B 83) und hatte nach seiner Gründung an Wassermangel zu leiden. Pfarrer David Clément verloste die 24 "Portionen" an die Siedler.

Die zweigeschossige Kirche wurde im hessischen Fachwerkstil 1705/06 erbaut und an den Balken mit französischen Inschriften versehen, die gut zu lesen sind. Im Inneren der Kirche befindet sich der Abendmahlstisch vor der Kanzel, wie in den anderen Hugenottenkirchen in den nordhessischen Dörfern. Die kleine Orgel mit barockem Prospekt kam erst 1968 aus Kassel-Rothenditmold nach Schöneberg.

Sehenswert ist das Schöneberger Hugenottenhaus von 1710 mit restaurierten Innenräumen und französischer Balkeninschrift (Bremerstr. 19): ON A BEAU MAISON BATIR SI LE SEIGNEUR N'Y MET LA MAIN NON CE N'EST QUE BATIR EN VAIN PS CXXVII AVEC LA BENEDICTION DE DIEU ET LES GRACES DE S.A.S. ETIENE PINATEL ET JEANNE GUIMINEL ONT FAIT BATIR CETTE MAISON --- CE 22 JVILLIET 1710 (Man kann gut bauen. Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Psalm 127,1. Estienne Pinatel und Jeanne Guiminel haben mit dem Segen Gottes und den Gunsterweisungen seiner Hoheit [des Landgrafen] dieses Haus gebaut. Der 22. Juli 1710).

Die Kirche in Schöneberg ist tagsüber geöffnet, der Schlüssel zu der hinteren Tür des Hugenottenhauses liegt in der Gastwirtschaft Reitz nebenan

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