Geschichte - 6. Edikte

1. Wie die Hugenotten zu ihrem Namen kamen
2. Geschichtlicher Überblick von Calvin bis zum Großen Kurfürsten
3. Hugenotten in Frankreich - die französische Reformbewegung
4. Der französische Reformator Calvin
5. Bartholomäusnacht - der erste Pogrom der Neuzeit
6. Vom Edikt von Nantes 1598 zum Edikt von Fontainebleau 1685
7. Die Flucht der Hugenotten
8. Landkarten

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Das Leben und Wirken des Genfer Reformators Johannes Calvin (von Jochen Desel)

Edikt von Nantes (1598)

Heinrich IV
Heinrich IV

Das von Heinrich IV. 1598 in Nantes, der westfranzösischen Stadt an der Loiremündung, erlassene Edikt gab den reformierten Christen in Frankreich erstmals eine Grundlage für ein relativ unbedrohtes Leben und eine in Grenzen freie Religionsausübung.

Es sollte ewige Gültigkeit haben, die Hugenottenkriege dauerhaft beenden und den inneren Frieden in Frankreich wiederherstellen.

Das Edikt war der schriftliche Ausdruck eines Kompromisses zwischen der katholischen Staatsreligion und der Konfession einer bedeutenden Minderheit in der Bevölkerung.

Frieden von begrenzter Dauer

95 Artikel des Edikts sichern den Hugenotten die reformierte Religionsausübung im privaten Bereich und öffentlich in den von ihnen militärisch beherrschten Städten zu. Eine Amnestie für vergangene Unrechtstaten wird ausgesprochen.

Die Protestanten werden zu Staatsämtern zugelassen. Für die Ausbildung reformierter Prediger dürfen Akademien eingerichtet werden. In katholischen Gebieten, am königlichen Hof und in der Hauptstadt Paris darf der reformierte Gottesdienst dagegen nicht ausgeübt werden (Art.13). Auch den Katholiken im Königreich werden Zugeständnisse gemacht.

Das Edikt von Nantes hatte keinen dauerhaften Bestand. Nach dem Tod Heinrichs IV. (1610) und dem Fall der protestantischen Seefestung La Rochelle 1628 unter Ludwig XIII. (1601-1643) gerieten die Hugenotten, die einen Staat im Staate gebildet hatten, immer stärker in Bedrängnis.

Edikt von Fontainebleau (1685)

Ludwig XIV
Ludwig XIV

Die Zahl der Verbote für Beruf, Gottesdienst, öffentliches Wirken und Familienrecht nahm zu, besonders nach dem Regierungsantritt Ludwigs XIV. im Jahr 1643. Die von 1643 bis 1680 sich ausweitenden Einschränkungen der religiösen Freiheit der Hugenotten und die Dragonaden, die Einquartierung von Dragonern als gestiefelte Missionare des Königs in den Häusern der bekehrungsunwilligen Protestanten, wurden immer unerträglicher.

Den Schlusspunkt in dieser Kampagne gegen die Hugenotten bildete das Edikt von Fontainebleau, das Ludwig XIV. am 18. Oktober 1685 im Königsschloss Fontainebleau südlich von Paris proklamierte.

Eigentlich verfolgte Ludwig XIV. (1638-1715), der Enkel Heinrichs IV., das gleiche Ziel wie sein Großvater: Er wollte als absolutistischer Herrscher sein nach wie vor zerrissenes Volk einigen.

Im Gegensatz zu Heinrich IV. wollte er dieses Ziel durch Abschaffung der Rechte der protestantischen Minderheit und ihre Rekatholisierung erreichen. Seine Devise lautete: Une foi, une loi, un roi (ein Glaube, ein Gesetz, ein König).

Neue Gesetze

Der Text des Edikts von Fontainebleau mit nur 11 Artikeln widerrief die Bestimmungen des Edikts von Nantes und regelte im Einzelnen:

  • die Zerstörung aller reformierten Kirchen im Lande und das jetzt für alle Orte des Königreichs gültige Gottesdienstverbot (1-3)
  • die Aufforderung an die reformierten Prediger, sich zur katholischen Religion zu bekehren oder Frankreich innerhalb von 15 Tagen zu verlassen
  • aber auch die Zusage einer Erhöhung ihres Gehaltes um ein Drittel und weitere Vergünstigungen für die zur Bekehrung bereiten reformierten Prediger
  • so das Angebot ihrer Umschulung zu Juristen (4-6)
  • katholische Zwangstaufe und katholische Erziehung für die bisher reformierten Kinder
  • sowie das Verbot von reformierten Schulen in Frankreich (7-8)
  • das ausdrückliche Verbot für die Hugenotten, das Land zu verlassen
  • und die Zusage an die Reformierten, die vor Erlass des Edikts das Königreich verlassen hatten, nach Abschwörung ihres Glaubens innerhalb von vier Monaten nach Frankreich unter Wiedereinsetzung in alle Rechte und mit Erstattung ihres Besitzes zurückkehren zu dürfen (9-10)
  • das Versprechen für die in Frankreich bleibenden Protestanten, im Land zu leben, ohne Nachteile wegen ihrer vorgeblich reformierten Religion zu haben, wenn sie nicht öffentliche Gottesdienste etc. veranstalten, ... bis es Gott gefällt, sie wie die übrigen zu erleuchten (11)


Der Artikel des Edikts von Fontainebleau, das den französischen Protestanten so nachdrücklich die Auswanderung verbot, konnte ca. 170.000 Hugenotten nicht daran hindern, ihre geliebte Heimat zu verlassen und in die umliegenden Länder zu fliehen.

Edikte zum Download (gescannte Originalschriften im PDF-Format)

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